Matura – Was dann?

von Lilith Lachner
Die Matura naht und das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und eine Frage steht im Raum „Was mache ich nach der Matura?“. Den nächsten Schritt nach dem Schulabschluss zu planen ist oft der Schwierigste. Ob Studium, Job oder doch was ganz anderes – die Möglichkeiten scheinen endlos. Drei junge Maturant*innen geben uns einen kurzen und spannenden Einblick in ihr Leben nach der Matura und zeigen uns die verschiedensten Wege, die man einschlagen kann.
Interview 1: Studium (Pia, 18)
Wo studierst du Pädagogik?
Pia: An der KPH, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Krems.
Was hat dich dazu motiviert, dass du Volksschulpädagogik studieren möchtest? Weshalb wolltest du dieses Studium gerne machen?
Pia: Da bin ich tatsächlich auch nicht selbst draufgekommen, und zwar war ich im Jänner letzten Jahres ziemlich verwirrt und hab nicht gewusst, was ich machen soll, und dann bin ich wegen meiner Angst mit meiner Mama zum WIFI gefahren und hab dort einen Test gemacht wo rausgekommen ist, dass ich mir als Lehrer gar nicht so schlecht schlagen würde. Zuerst war ich ein bisschen schockiert, weil ich mir so dachte „ja das ist so einfach, da hätte ich ja auch draufkommen können“ – dann hab ich mich mit den Gedanken so bisschen abgefunden und dann war ich so „ja eigentlich find ich’s richtig geil“. So ich hab nicht wirklich ein Ding wo ich sag „boa das kann ich so so so gut das will ich beruflich machen“, sondern ich hab eher hunderttausend kleine verschiedene Sachen die ich kann, so ich bin ein bissi kreativ, und ich kann gut mit Kindern und ich bin musikalisch und es passt da einfach irgendwie alles sehr gut zusammen.
Wie schaut bei euch das Studium aus bzw. was lernt ihr alles?
Pia: Also die Hauptfächer in der Volksschule, eben Mathe, Deutsch, Sachunterricht und auch die anderen Fächer wie Sport, Religion, Zeichen und Werken. Wir haben generell ganz viel fachdidaktischen Unterricht an der Uni, das heißt ich hab dann auch zum Beispiel Sachunterricht und ich lern dann in Sachunterricht wie ich gewisse Themen wie den Kindern beibringen kann, verschiedene Methoden oder in Mathe zum Beispiel Tipps und Tricks fürs „leichter“ rechnen. Wir haben dann auch Fächer, die man so auf der Volksschule nicht unterrichtet, wie zum Beispiel Psychologie, da lern ich zum Beispiel über die Entwicklungsphase, in der sich Kinder in der Volksschule befinden, was generell bei ihnen im Kopf abgeht oder auch, dass das Verhalten der Kinder widerspiegelt, wie es ihnen daheim geht.
Wie funktionieren die Praktiken bei euch an der Uni?
Pia: Bei uns an der Uni ist das eigentlich richtig cool, und zwar hatte ich Praxis schon seit Tag eins, also mein erster Unterricht war Praxis. Ich bin am ersten Oktober zur Uni gekommen und da hatten wir nur so einen Einführungstag, da sind wir auch nur im Hörsaal gesessen und haben Informationen bekommen und dann hieß es nur so „ja am Dienstag ist Praxistag“, wir waren so „was??“ und dann so „ja ihr habt jeden Dienstag Praxistag“ und wir so ja okay ist cool. Dann sind wir in Kleingrüppchen eingeteilt worden und wir waren das erste Semester lang zu fünft in einer Praxisklasse in einer Volksschule in Krems und ich habe seit Oktober jeden Dienstag Praxis dort. Bis Dezember haben wir Großteils hospitiert und sind einfach hinten gesessen, haben ganz viel zugehört, zugeschaut und abgeschaut von der Lehrerin und wir haben auch mitgeholfen bei einzelnen Sachen, wie Unterrichtsmaterialien vorbereiten oder bei einem Stationenbetrieb eine Station zu übernehmen, also einfachere Sachen. Im Jänner durften wir dann das erste Mal selber unterrichten, so die Lehrerin hat uns ein Thema vorgegeben und ein paar Materialien geschickt und wir haben die Stunde zu zweit unterrichtet, ich hab die erste halbe Stunde gemacht, meine Freundin die zweite und es war einfach mega cool. Somit hat man von Anfang an richtig viel Unterrichtserfahrung.
Welche Fähigkeiten und Eigenschaften sind deiner Meinung nach besonders wichtig, um eine gute Lehrkraft zu sein?
Pia: Es ist auf jeden Fall wichtig, dass man geduldig ist, da wirklich so unterschiedliche Kinder im Klassenraum sitzen, so du hast von vorne bis hinten alles dabei. So es gibt Kinder denen gibst du zum Beispiel ein Arbeitsblatt und die wissen sofort, dass sie ihren Namen draufschreiben müssen und sind vorne immer dabei und dann gibt es auch welche die sind schnell total überfordert. Es ist auch wichtig, dass man empathisch ist, weil die Kinder kommen wirklich oft zu dir und vertrauen dir Dinge an und erzählen dir ganz viele Geschichten von daheim. Vor allem jetzt sind die Klassen so durchgemischt, dass du Kinder aus den unterschiedlichsten Verhältnissen hast. Du bist oft so der „unbezahlte Therapeut“ für die Kinder und da wenn sie wen zum Reden brauchen.
Welche Herausforderungen, denkst du, werden dich in deinem Beruf als Volksschullehrerin erwarten?
Pia: Eine große Herausforderung wäre den Kindern das Wissen so zu vermitteln, dass sie es auch lernen wollen. Vor allem es ist ja nicht so, dass sie freiwillig in der Schule sind, sondern es ist ja Pflichtschule, sie müssen dadurch und deswegen muss man den Kindern das bestmöglich vermitteln, dass sie es wirklich lernen wollen und sie es wirklich interessiert, dann hat der Unterricht auch am meisten Sinn. Und auch, dass man sich viel Zeit nehmen muss und da Geduld hat, zum Beispiel, dass du Dinge wirklich hunderttausendmal wiederholst, wenn’s sein muss und auch wenn der Lehrplan ein wenig Druck macht und man sich schon denkt „ich muss mich mit dem Stoff beeilen“, dass man da einfach mal durchatmet und die Dinge trotzdem wiederaufgreift und nochmal durchgeht bis die Kinder es wirklich gescheckt haben. Da muss man wirklich bissi mit dem Hausverstand arbeiten und selber spüren, ob man was wiederholen muss oder ob man schon dringend weitermachen muss, weil man sonst den Stoff nicht fertigkriegt. Eine große Herausforderung sind auch oft die Eltern, weil sie leider wirklich oft nicht wissen was ihr Kind kann und nicht kann, weil sich oft dafür zuhause keine Zeit genommen wird – da fehlt leider oft der Kontakt zwischen den Eltern und dem Kind.
Wie gehst du bzw. wirst mit diesen Herausforderungen umgehen?
Pia: Sich wirklich die Zeit nehmen oder auch in den Pausen aktiv auf die Kinder zugehen und nachfragen, wie es ihnen geht, wie das Wochenende bei ihnen zuhause war oder ob sie sich mit wem zerstritten haben, wenn man merkt, dass zwei voll aufeinander losgehen oder sich komplett ignorieren und da einfach offen mit den Kindern reden. Generell ist es super wichtig einfach ein Gespür zu haben wenn man mit den Kindern redet und arbeitet.
Interview 2: FSJ (Laura, 18)
Bei welcher Organisation machst du dein FSJ?
Laura: Beim roten Kreuz in Langenlois.
Wie läuft der Anmeldeprozess und der Beginn der Ausbildung bei einem FSJ ab?
Laura: Nach dem Bewerben hat man in Persona quasi ein „Vorstellungsgespräch“, also es ist weniger wie ein richtiges Vorstellungsgespräch, aber einfach ein Gespräch wo die einen kennenlernen können, und dort hab ich dann auch den Vertrag gekriegt, den dort gleich unterschrieben und sie haben mir auch gesagt was ich noch machen muss für das FSJ bevor ich anfangen darf. Ich hab einen Strafregisterauszug gebraucht, eine vorärztliche Untersuchung bei der Hausärztin, hab ganz ganz viele Impfungen haben müssen und mein Maturazeugnis. Die hab ich alle gesammelt hingebracht und 2-3 Wochen hab ich die Infos bekommen wo ich am ersten Tag sein muss und dann waren alle die mit dem FSJ in Niederösterreich begonnen haben in Tulln am ersten Tag und danach hab ich eh schon meine Ausbildung angefangen. Ich hatte meine Ausbildung mit anderen Dienststellen, also ich bin in Langenlois, habe sie aber mit Zwettl und Krems gemeinsam. Ich weiß nicht mehr wie viele Stunden ich genau hatte, aber ich hatte einen theoretischen und praktischen Kurs und ich durfte auch nach meiner Zwischenprüfung als Sani in Ausbildung fahren dürfen.
Was war der Grund weshalb du dich dazu entschieden hast, ein freiwilliges soziales Jahr zu machen?
Laura: Ich wollte schon immer, seitdem ich ein kleines Kind war, Ärztin werden bzw. in den ärztlichen Bereich gehen und ich hab mir halt gedacht ‚ja okay ich probier mal den Medizinertest, aber ich lern mal nicht so so viel, weil ich sowieso mal ein Jahr Pause möchte‘ und dann bin ich draufgekommen ‚ja ich möchte zur Rettung gehen!‘, weil ich sowieso auch bei der Feuerwehr bin und mir das im Einsatz sein wirklich gut gefällt und ich bei der Rettung die coole Möglichkeit habe das zu machen und dazu auch noch ein bisschen Geld zu verdienen.
Wie schaut eine typische Arbeitswoche von dir aus?
Laura: Ich krieg im Monat davor den Dienstplan für den nächsten Monat und dann ist eigentlich jede Woche anders, also zum Beispiel manchmal hab ich jeden Tag von 6 Uhr weg Dienst und dann bis manchmal bis 16 Uhr manchmal bis 12, kommt auf den Tag drauf an. Manchmal beginnt mein Dienst auch um 10 Uhr, manchmal gibt es Nachtschichten, also es ist immer sehr unterschiedlich und du kriegst den Dienstplan ja einem Monat im Voraus und daher ist man auch sehr flexibel.
Welche Aufgaben musst du erledigen und welche machen dir davon am meisten Spaß?
Laura: Bei der Rettung macht man ja nicht nur Rettungsfahrten, sondern hauptsächlich Krankentransporte, also quasi Leute die ins Krankenhaus müssen abholen und hinfahren und umgekehrt die vom Krankenhaus nach Hause bringen. Am meisten gefällt mir aber schon, wenn wir Rettungswagen fahren, weil so größere Einsätze auch echt richtig spannend werden können. KTW fahren, also Krankenwagen, ist auch oft extrem lustig, weil man da richtig viel in menschlichen Kontakt kommt, wo die Leute auch voll viel erzählen und auch alte Leute richtig viel aus ihren Leben erzählen, was auch richtig nice ist.
Wie gehst du mit stressigen oder schwierigen Situationen um?
Laura: Es kommt immer sehr auf die Art von Stress an, also ist es stressig, weil jemand in Lebensgefahr ist, oder ist es stressig, weil wir schnell ins Krankenhaus müssen, oder weil generell einfach viel zu tun ist. Zum Beispiel wenn wir KTW fahren und wir mehrere Leute abholen müssen ist es zwar im Moment stressig, aber dann chillt man kurz, atmet kurz ein und aus und dann geht es wieder. Wenn es sich aber zum Beispiel um eine lebensgefährliche Situation handelt, dann muss man wirklich Ruhe bewahren, denn den Patienten hilft es mehr wenn man Ruhe bewahrt und denen keine Angst macht, denn eine Person die Angst hat ist oft kritischer als eine die keine Angst hat und darum muss man schauen, dass man Ruhe bewahrt und schnell seine Arbeit leistet, aber nicht schlampig wird dabei.
Was für Eigenschaften sollte man deiner Meinung nach für ein FSJ haben und besonders bei einem bei der Rettung?
Laura: Also grundsätzlich glaube ich, dass jeder davon profitieren könnte, weil es dir auch viel für dein Leben bringt, zum Beispiel du lernst in kritischen Situationen Ruhe zu bewahren und generell mit Stress umzugehen. Ich glaub Leute die Teamfähig sind, mit Leuten gut zusammenarbeiten können und das auch gerne machen, die haben es auf jeden Fall leichter, weil du musst im Team arbeiten – allein kommst du in der Rettung nicht weiter, egal ob im KTW oder RTW. Was auch noch wichtig ist, dass du mit den Patienten reden kannst, vor allem mit den Alten Leuten im KTW, und da auch Interesse zeigst und auch Spaß hast daran mit Leuten zu arbeiten.
Welche Tipps würdest du jemandem geben, der ein FSJ beginnen möchte?
Laura: Ich glaub das Wichtigste, was man erstmal machen muss, ist sich trauen einmal wirklich hinzugehen, auch wenn man niemanden kennt. Der erste Schritt ist wirklich das man sich trauen muss, und sagen muss „hey ich will das machen, ich will das ausprobieren“, weil ich glaube wirklich jeder kann davon profitieren und einfach mal sich trauen „Ja“ zu sagen und etwas wagen und offen sein.
Interview 3: Lehre (Lorant, 21)
Was für eine Lehre machst du? Für welchen Beruf?
Lorant: Zum Beruf Tischler.
Wo machst du deine Lehre?
Lorant: In Pöchlarn in Niederösterreich.
Was war deine Motivation dafür eine Lehre zu beginnen?
Lorant: Ich wollte eigentlich was Handwerkliches machen, etwas Praktisches und nicht nur Theorie lernen und das war auch das, was mir am Studium gefehlt hat. Wir hatten einmal an der Uni ein Bauprojekt, wo wir Möbel für einen Garten bauen mussten und da hab ich mich mit ein paar Tischlern connectet und bin da auch voll in diese Schiene hinein gerutscht und das hat mir richtig gefallen und da dachte ich mir ‚ja okay was gibt es da für Möglichkeiten Tischler zu werden‘ und in Österreich ist die einzige eben die Lehre und deshalb hab ich mich dafür entschieden.
Wie lange dauert deine Ausbildung?
Lorant: Dadurch das ich schon meine Matura habe konnte ich mir einige Fächer anrechnen lassen, welche ich jetzt nicht mehr machen muss, deshalb schätz ich mal zwei bis zweieinhalb Jahre. Normalerweise dauert die Tischlerlehre ja drei Jahre, aber wegen meiner Matura ist sie kürzer.
Wie schaut dein typischer Arbeitstag aus?
Lorant: Jeder Tag ist eigentlich ziemlich unterschiedlich, aber es beginnt immer jeden Tag um sieben Uhr früh und dann geht es direkt los, man muss sich dort einstempeln und dann fragt man auch den Gewerkschaftsleiter, was man zum Tun ist, und dann gibt er dir deinen Auftrag. Als Lehrling ist es meistens nur schleifen oder zam kehren, vor allem in den ersten paar Monaten. Oft auch Tische zusammenschrauben unter der Aufsicht eines anderen Kollegen. Dann die Mittagspause und um 16 Uhr ist Arbeitsschluss.
Wie ist die Unterstützung innerhalb eures Betriebes?
Lorant: Eigentlich sehr gut, wir haben eine recht coole Lehrlingsvertretung, mit ihr kann man immer quatschen wenn es ein Problem gibt und sie setzt sich auch sehr dafür ein wenn wer ein wichtiges Anliegen hat und dann steht sie auch dahinter.
Welche Eigenschaften findest du muss man für diesen Beruf haben, bzw. generell für eine Lehre?
Lorant: Für Tischlerei spezifisch sollte man wissen ja okay ich möchte das auch wirklich lernen, also man sollte bereit seine Sachen dazuzulernen und dazu sollte man auch nicht der größte Tollpatsch sein, weil man schon mit gefährlichen Werkzeugen arbeitet. Ich find für eine Lehre generell, sollte man wirklich akzeptieren können, dass man ein Lehrling ist und nicht den großen Spieler machen und sagen „hey der Chef schickt mich schon wieder zam kehren“ sondern akzeptieren, dass man ein Lehrling ist und auch solche Aufgaben erledigen muss. Es muss einem auch bewusst sein was man dafür aufgibt, weil man hat ja keine Schulferien sondern ganz normale Urlaubstage wie jeder der einen normalen Job hat, deswegen muss man überlegen ob das einem Wert ist. Ich find vor allem bei einer Lehre ist es wichtig, dass man sich sicher ist diesen Lehrberuf wirklich machen zu wollen als jetzt zum Beispiel bei einem Studiengang.
Gibt es etwas, was du an deiner Ausbildung gerne ändern würdest? Wenn ja was wäre das?
Lorant: Ich würd mir wünschen, dass Schüler die nicht direkt nach der Pflichtschule eine Lehre starten sondern Schüler die eine Matura haben, dass denen quasi auch gezeigt wird das man eine Lehre überhaupt machen kann und es die Möglichkeit gibt. Zum Beispiel bei uns am Gymnasium wurde gleich gedacht, dass wir alle studieren, gehen nach der Matura und uns wurden gar nicht die Möglichkeiten gezeigt, wenn du nicht studieren möchtest und eher was Handwerkliches machen willst. Das fand ich da schon seltsam, weil wieso sollte jemand der eine Matura hat und 18 ist auch keine Lehre machen wollen. Es gibt kein wirkliches Unterstützungsprogramm dahingegen und das ist das Erste, was ich ändern würde.
Welche Tipps würdest du jemandem geben, der sich für eine Lehre in deinem Beruf interessiert?
Lorant: Also auf jeden Fall bei mehreren Firmen bewerben und dabei im besten Fall die Wunschfirma auswählen, dann die Verträge gut lesen, vor allem als junge Person würde ich empfehlen die Eltern um Rat zu bitten. Ansonsten würd ich sagen „einfach machen!“.

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