Hannah Scheidl ist die amtierende Bundesschulsprecherin. In ihrer Funktion vertritt sie alle Schüler:innen Österreichs und ist regelmäßig mit dem Bildungsminster Christoph Wiederkehr im Ausstausch. Das Bildungsministerium hat eine Umfrage zum Bildungssystem gestartet: Wir haben Hannah Scheidl zu den Hintergründen interviewt.

Was beabsichtigt das Bildungsministerium mit ihrer Umfrage zum Bildungssystem zu erreichen?

Das Bildungsministerium will mit der Umfrage ein umfassendes Bild über die Schulstrukturen schaffen, durch die Befragung von Eltern, Schüler:innen, Lehrer:innen und Personen, die aktiv am und im Schulsystem arbeiten. Durch die Umfrage kann das Bildungsministerium analysieren, wo die Politik bei der Reform des Bildungssystems noch ansetzen muss. 

      Wie hängt diese Umfrage mit dem Plan Z des Bildungsministerium zusammen?

      Die Umfrage ist der Grundbaustein bei der Entwicklung und Umsetzung des Plan Z. Jede einzelne Rückmeldung fließt in die Ausarbeitung des “Plan Zukunft” ein, mit der eine tragfähige Vision für die Schule von morgen entwickelt werden kann.
      Damit der Plan Z alle relevanten Erfahrungen, Ideen und Erwartungen widerspiegelt, vertieft  sich das Bildungsministerium in die Rückmeldung unter anderem im Rahmen der Bürgerforen, die aktuell in ganz Österreich stattfinden.

        Welche Rolle spielst du bei der Entwicklung des Plans Z?

        Wir als BSV dürfen bei der Entwicklung von Plan Z die Perspektive und Lebensrealität der Schüler:innen ins Gespräch bringen und können durch eigene hautnahe Erfahrungen die Schule aus Sicht der Schüler:innen widerspiegeln.

          Die letzte Frage der Umfrage lautet: Welche Dinge würdest du am Bildungssystem oder am Unterricht ändern? Was antwortest du?

          Die Schule muss ein Ort sein, der die Kinder und Jugendlichen auf die Zukunft vorbereitet, das schafft die Schule derzeit noch nicht. Daher ist es für die Schüler:innen von hoher Wichtigkeit, dass der Lehrplan so umgestaltet wird, dass er zukunftsorientiert gelebt werden kann, dazu ist es essentiell den Austausch zwischen Politik und Schüler:innen zu stärken und auf Basis der gewonnen Kenntnisse durch die Bildungsumfrage den Lehrplan zu reformieren. 

              Bildungsminister Wiederkehr möchte die Schule auf die Überholspur bringen. Wie kann er das deiner Meinung nach schaffen?

              Durch den Dialog mit Menschen die aktiv am Bildungssystem beteiligt sind und die aktuellen Barrieren und Hindernisse hautnah erleben, denn nur so hat Bildungsminster Wiederkehr und auch das Bildungsministerium eine realitätsbezogene Basis mit der sie an der Reform arbeiten können 

                  Es werden viele neue Fächer gefordert. Die Fächer sind Demokratiebildung, Medienkompetenz und Finanz-/Wirtschaftsbildung. Wie sollte man diese Fächer in den Unterricht implementieren?

                  Ende Jänner 2026 wurden in der AHS-Oberstufe zwei neue Unterrichtsgegenstände eingeführt: Informatik und Künstliche Intelligenz sowie Medien und Demokratie. Mit der Implementierung neuer Unterrichtsgegenstände geht zwangsläufig auch die Notwendigkeit einher, bestehende Inhalte und Fächer, die derzeit im Unterricht behandelt werden, zu kürzen oder neu zu gewichten. Eine zentrale Aufgabe des Bundesministeriums für Bildung besteht dabei darin, die Auswirkungen dieser Veränderungen auf den Schulalltag sorgfältig zu evaluieren und eine tragfähige, praxisnahe Umsetzung sicherzustellen. Darüber hinaus ist es unerlässlich, bei der Einführung neuer Schulfächer auf eine umfassende und nachhaltige Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte zu setzen, um eine qualitativ hochwertige Umsetzung im Unterricht zu gewährleisten. 

                      Was sollte aus dem Unterricht gestrichen werden?

                      Die Frage, welche Inhalte oder Fächer aus dem Unterricht gestrichen werden sollten, ist nicht pauschal zu beantworten und erfordert eine sorgfältige Abwägung. Es ist dabei entscheidend, die einzelnen Unterrichtsgegenstände differenziert zu betrachten und zu analysieren, inwiefern sie einen Beitrag zu einer zeitgemäßen, zukunftsorientierten Bildung leisten.

                          Was muss das Bildungsministerium tun, um Schüler:innen den Spaß an der Schule zu gewährleisten?

                          Um Schüler:innen den Spaß an der Schule langfristig zu gewährleisten, muss das Bundesministerium für Bildung Rahmenbedingungen schaffen, die zeitgemäß, motivierend und lebensnah sind. Dazu gehört ein Unterricht, der relevante Inhalte vermittelt, praxisorientiert gestaltet ist und den Interessen sowie Lebensrealitäten der Schüler:innen Rechnung trägt. Darüber hinaus sind gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte ein zentraler Faktor. Das Bildungsministerium sollte daher gezielt in Aus- und Fortbildungsangebote investieren und Schulen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen, um innovative Lehr- und Lernformen umzusetzen. Ebenso wichtig ist ein Schulumfeld, das Wertschätzung, Mitbestimmung und mentale Gesundheit fördert. Wenn Schüler:innen sich ernst genommen fühlen und aktiv am Schulalltag mitwirken können, steigt nicht nur die Motivation, sondern auch die Freude am Lernen nachhaltig.


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