Wenn ich ein Bilungssystem machen
würde dann, …

von Mira Langhammer
…würde ich den Lehrplan so gestalten, dass man aus der Schule rausgeht und Softskills sowie praxisorientierte Alltagshardskills wie zum Beispiel das Finanz-ABC, die Hintergründe einer Jobsuche oder Zeitmanagement hat. (Gabriel U)
…würde ich alles deutlich projektorientierter machen. So versteht man die Zusammenhänge zwischen den Fächern besser und wendet sein Wissen direkt an. (Alex G)
…würde ich Individualisierung des Schulsystems zur wichtigsten Priorität machen. (Anna P)
…würde ich den Fokus darauf legen, individuelle Talente zu fördern, tiefgründiges Denken über reines Auswendiglernen stellen und praktische Skills für das reale Leben in den Mittelpunkt zu rücken. (Marie H)
… würde ich alle Tische aus den Klassenräumen werfen und die Klassengrößen auf maximal 12 Schüler:innen beschränken. (David M)
Immer wieder wird bei Gesprächen, unseren Schüler:innenparlamenten aber auch im Nationalrat diskutiert, welche Änderungen im Schulsystem die richtigen wären. Für welche Schritte sind Zeit, Ressourcen und politischer Wille da? Welche Maßnahmen würden den Schüler:innen helfen? Das sind Leitfragen, die sich in dieser Diskussion immer wieder gestellt werden – zurecht. So wird Bildungspolitik be- und, wenn auch oft langsam, vorangetrieben. Die entscheidende Frage wird jedoch in der öffentlichen Debatte selten gestellt. Was wäre das Ziel? Wie würden Schule heutzutage aufbauen, wenn sie nicht von geschichtlichen Veränderungen und Anpassungen geprägt wäre?
Unterrichtsstunden sind in Österreich typischerweise 50 Minuten lang. Nur selten werden hier schulautonom Anpassungen vorgenommen, man würde meinen, diese Dauer hat sich jahrzehntelang eingebürgert. Nun, tatsächlich ist das eine Tradition, die sich seit mehreren Jahrhunderten gehalten hat: Der Ursprung der 50-Minuten-Stunde liegt im Mittelalter. Damals wurde der Unterricht von Geistlichen gehalten, die sich einmal stündlich zehn Minuten Zeit zum Beten nahmen. Die verbliebenen 50 Minuten wurden zu den Unterrichtseinheiten, welche sich bis heute als historische Überbleibsel im Alltag von uns Schüler:innen wiederfinden.
Wie würde also eine Schule ausschauen, die, statt historisch gewachsen zu sein, heute neu erfunden würde? Für uns ist ganz klar, wer im Fokus stehen müsste: der Schüler und die Schülerin. Nicht Plural, sondern ganz bewusst im Singular – in modernen Schule sollte es nämlich darum gehen, den Bedürfnissen jedes Schülers und jeder Schülerin individuell gerecht zu werden. Er oder sie würde dort unterstützt werden, wo er oder sie Schwierigkeiten hat und dort gefördert, wo die Interessen oder Begabungen liegen. Ganz nach dem Prinzip Stärken stärken und Schwächen schwächen.
In der Schule von morgen gäbe es nicht den klassischen Schulfächerkanon wie wir ihn heute kennen. Stattdessen würde der Fokus auf lebensnahen Thematiken liegen: der Wirtschafts-, Finanz- & Verbraucher:innenbildung, der politischen Bildung, Ernährungsbildung und Medienkunde. Die Möglichkeit, in der Oberstufe nähere Entscheidungen zu Schwerpunkten treffen zu können, wäre außerdem selbstverständlich, ebenso wie eine tägliche Bewegungseinheit, die Abwechslung zu dem sonst digital unterstützen Schulalltag bieten sollte.
Die Schule von morgen konzentriert sich nicht auf reines Wissen, sondern vielmehr auf das Vermitteln von Kompetenzen, die die Schüler:innen langfristig zu selbstbewussten, kritischen Erwachsenen erziehen. Wer auf dem Weg dorthin Schwierigkeiten hat, findet im Schulgebäude viele Vertrauenspersonen: Lehrpersonen, Lerncoaches, Sozialarbeiter:innen oder auch Peers. Vor allem aber zeichnet die Schule der Zukunft Eines aus: Den Willen und die Motivation, etwas zu lernen oder zu lehren. Denn egal, wie ein Schulsystem aussieht, ob es die Schule von gestern, heute oder morgen ist, sollte das immer das größte Ziel von allen sein.

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